2. Sinfoniekonzert
Reminiszenzen eines gebrochenen Herzens
gespielte Werke
Gustav Mahler
- Sinfonie Nr. 10 Fis-Dur (Fassung nach Deryck Cooke)
Mitwirkende
- Daniele Gatti Dirigent
Gustav Mahlers Zehnte ist von biografischer Wucht durchzogen. 1910 erschüttert eine Ehekrise sein Leben: Almas Affäre mit Walter Gropius wird bekannt, der Komponist sucht Rat bei Sigmund Freud. In diese Situation fallen die Skizzen zu seiner letzten Sinfonie – ein Werk, das wie Tagebuch und Notruf zugleich wirkt. Mahler notiert Worte wie »Erbarmen« oder »Für dich leben! / Für dich sterben«. Musikalisch kulminiert das Geschehen in einem grellen Dissonanzblock, der wie ein Aufschrei ins Werk fährt. Da Mahler nur Particellskizzen hinterließ, erklingt die Sinfonie in der behutsamen Aufführungsfassung von Deryck Cooke: ein Versuch, Mahlers letzte Gedanken hörbar zu machen, ohne sie zu vollenden.
Gustav Mahler:
Sinfonie Nr. 10»Der Beginn des Adagios in Gustav Mahlers 10. Sinfonie gehört der Bratsche allein: Es scheint, als würde sie Mahlers Gedanken wiedergeben, die zwischen Erschöpfung und Hoffnung ringen und nie eindeutig sind.
Für Bratscherinnen und Bratscher ist dies eine Art heiliger Gral – selten darf das Instrument so offen, so existenziell sprechen.«Anya Dambeck
stellv. Solo-Bratscherin
Daniele Gatti
Seit der Saison 2024/25 ist Daniele Gatti Chefdirigent der Sächsischen Staatskapelle Dresden. Bereits im Februar 2000 gab Gatti auf Einladung des damaligen Chefdirigenten Giuseppe Sinopoli seinen Einstand am Pult des Orchesters mit Werken von Mendelssohn Bartholdy, Hindemith und Brahms und kehrte in den folgenden Jahren mehrfach nach Dresden zurück. Gattis meisterhafte Beherrschung des Kernrepertoires der Staatskapelle, seine visionären Interpretationen und sein feines Gespür für den Klang und die Besonderheiten dieses Traditionsorchesters garantieren herausragende Konzertmomente. Neben seiner Position in Dresden ist Daniele Gatti zudem Musikdirektor des Teatro del Maggio Musicale Fiorentino, dessen Chefdirigent er 2022 bis 2024 war.
In der Saison 2026/27 dirigiert er das Eröffnungskonzert der Sächsischen Staatskapelle Dresden und eröffnet die neue Spielzeit der Semperoper mit Verdis »Un ballo in maschera«. Außerdem ist er im weiteren Verlauf der Saison mit Wagners »Parsifal« wieder in Dresden zu erleben. Gemeinsam mit der Staatskapelle geht er auf drei Europatourneen; die dritte führt im Beethoven-Gedenkjahr 2027 mit einem Zyklus aller neun Sinfonien des Komponisten in mehrere europäische Musikzentren. Beim Maggio Musicale Fiorentino übernimmt er die musikalische Leitung von »Il trovatore«, »Elektra« und »Don Giovanni« sowie einer Reihe sinfonischer Konzerte, darunter dem Auftakt eines Bruckner-Zyklus.
1961 in Mailand geboren, studierte Daniele Gatti Komposition und Orchesterdirigieren am Conservatorio Giuseppe Verdi in seiner Heimatstadt. Es folgten erste Festengagements bei wichtigen Musikinstitutionen wie der Accademia Nazionale di Santa Cecilia, dem Royal Philharmonic Orchestra, dem Orchestre National de France, dem Royal Opera House in London, dem Teatro Comunale di Bologna, dem Opernhaus Zürich and dem Concertgebouworkest in Amsterdam. Darüber hinaus gastiert er bis heute regelmäßig u. a. bei den Berliner Philharmonikern und den Wiener Philharmonikern.
Insgesamt dreimal wurde Daniele Gatti mit dem Premio »Franco Abbiati« der italienischen Musikkritik als bester Dirigent ausgezeichnet, 2016 wurde ihm für seine Arbeit als Musikdirektor des Orchestre National de France der Titel Chevalier de la Légion d’honneur der Französischen Republik verliehen. In seinem Heimatland wurde er außerdem mit dem Großen Verdienstorden geehrt. Seit 2016 hat er eine Dirigierdozentur an der Accademia Musicale Chigiana in Siena inne.
